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„Tu se' lo mio maestro e 'l mio autore. Von Dante lernen“

Mürzzuschlag, 30. 6. - 3. 7. 2019

Konzept: Theresia Prammer, Thomas Eder

Dante Alighieris Commedia (1307-1320) hat seit ihrer ersten Aufnahme durch unmittelbare Zeitgenossen unzähligen literarischen und bildkünstlerischen Auseinandersetzungen den Weg bereitet. Für diese lebendige Aneignungs- und Auslegungstradition legen Ossip Mandelstams Gespräch über Dante, Stefan Georges und Rudolf Borchardts eigenwillige Übertragungen sowie Ezra Pounds Cantos im 20. Jahrhundert ein beredtes Zeugnis ab. Aber nicht nur den nachgeborenen Dichterinnen und Dichtern, sondern auch allen anderen Bewunderern steht mit Dantes im florentinischen Italienisch verfassten Hauptwerk die Erfahrung eines Schreibens offen, in dem die poetische Schöpfung mit der Affirmation einer Sprache zusammenfällt und die Feier des Jenseits mit der Reflexion auf ganz und gar diesseitige Ereignisse, Erlebnisse und Gemütszustände.

„Tu se‘ lo mio maestro e ‚l mio autore“ ist der Vers, mit dem Dante im ersten Gesang des Inferno dem aus seiner Deckung getretenen Vergil seine Ehre bezeigt, ehe er sich zu seinem größten Unternehmen anschickt. Unter Vergils Ägide tritt er seine Aufgabe an und über Vergils Erbe treibt er sie hinaus mit der Beherztheit dessen, der aus dem Exil buchstäblich um sein Leben schreibt. Jedoch wie ist es gemacht, dieses Gedicht, und wie kann, wer sich heute darauf einlässt, seine Werkstatt dadurch bereichern? Nun, wo Dantes Tod in Ravenna sich bald zum 700. Mal jährt, scheint es mehr denn je angebracht, das mittelalterliche Triptychon aus der Klammer des Kanons (aber nicht des historischen Kontexts) zu lösen, um sich zu seinen Verfahren ebenso nachdrücklich wie respektvoll in ein Verhältnis zu setzen. Die Wanderung vom Diesseits ins Jenseits und vom Jenseits in das Heute zurück wird so als poetische Verwandlung eines Weltgedichts lesbar, das mit seinem anhaltenden Leuchten die Gedichtwelt zu begeistern und vor allem herauszufordern vermag.

Mit Piero Boitani, Paul Henri-Campbell, Franz Josef Czernin, Michael Donhauser, Oswald Egger, Valentin Groebner, Max Höfler, Norbert Hummelt, Esther Kinsky, Peter Kuon, Sibylle Lewitscharoff, Ferdinand Schmatz, Adrian la Salvia, Thomas Poiss, Annette Kopetzki, Roberto Galaverni.

So / 30.06.2019  - Mi / 03.07.2019